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Dorothea Heiser hat Herausragendes für die Allgemeinheit geleistet

Als Zeichen seiner Anerkennung kann der Bezirk Oberbayern Menschen, die sich in besonderer Weise um das Wohl in Oberbayern verdient gemacht haben, die Bezirksmedaille verleihen. Am Freitag (16.10.2009) ehrte Bezirkstagspräsident Josef Mederer acht Persönlichkeiten aus dem Bereich Kultur, unter ihnen Dorothea Heiser aus Dachau.

Hier die Laudatio durch Bezirkstagspräsident Josef Mederer für Dorothea Heiser aus Dachau:


Dorothea Heiser


Mit der Persönlichkeit, die wir nun auszeichnen, schlagen wir eine Verbindung zu der Festveranstaltung am 23. Oktober. Dann werden die Bezirksmedaillen für das ehrenamtliche soziale Engagement überreicht. Frau Dorothea Heiser aus Dachau hat sich sowohl im sozialen als auch im kulturellen Bereich besonders eingesetzt.

Beginnen wir mit dem kulturellen Engagement von Dorothea Heiser. Die gebürtige Berlinerin hat Anglistik, Germanistik, Philosophie und Pädagogik studiert und ist als Journalistin tätig. Als sie vor über 30 Jahren nach Dachau zog – wo sie heute noch mit ihrer Familie lebt – begann sie, sich intensiv mit der Geschichte des Ortes auseinander zusetzten. Dabei spürte sie, wie sehr die Stadt und die Menschen durch die Schrecken der Vergangenheit belastet waren. Mutig zog sie ihre eigenen Schlüsse: Ihrer Meinung nach wurde die Geschichte des Nationalsozialismus in Dachau zu wenig thematisiert und integriert.


Dorothea Heiser machte sich auf die Suche nach Überlebenden des Konzentrationslagers Dachau. Ihr Vorhaben, diese Menschen und deren Angehörige nach Dachau einzuladen, stieß nicht überall auf Verständnis. Doch davon ließen Sie sich – verehrte Frau Heiserer – glücklicherweise nicht beirren. Sie bauten viele intensive Kontakte auf, die zu einer Bereicherung für alle Menschen in Dachau wurden. Dabei stießen Sie auch auf Gedichte von KZ-Häftlingen. Sie haben diese Gedichte gesammelt und 1994 gemeinsam mit den Biografien von Überlebenden und Toten des Konzentrationslagers in der Anthologie "Mein Schatten in Dachau" herausgegeben. Rund zehn Jahre später folgte das "Tagebuch der Liebe".


Gedichte spielen auch im sozialen Engagement von Dorothea Heiserer eine Rolle. Eines Ihrer drei Kinder, der inzwischen erwachsene Sohn Sebastian, schreibt ebenfalls Gedichte. Das ist an sich nichts Ungewöhnliches für einen jungen Mann. Außergewöhnlich wird die Tatsache jedoch dadurch, dass ihr Sohn Autist ist und ihm dadurch der Umgang mit seiner Umwelt schwer fällt. Seit Jahren kämpft Dorothea Heiser für mehr Selbständigkeit und Integration von Autisten in Deutschland. So hat sie eine Theatergruppe gegründet, in der auch ihr Sohn aktiv ist. Und es gibt noch viele weitere Projekte, mit denen sie die Lage von Autisten verbessern möchte.

Im Jahr 2002 gründete Dorothea Heiser die Selbsthilfegruppe für Menschen mit Autismus-Syndrom (MAS). Daneben organisierte sie einen Austausch von deutschen und schottischen Studenten, die eines gemeinsam haben – sie sind Autisten. Für die meisten von ihnen war es die erste Auslandsreise in ihrem Leben.


Dorothea Heisers größter Erfolg ist die Einrichtung der gemeinnützigen GmbH "Autismuskompetenzzentrum Oberbayern" in der Eisenacher Straße in München-Schwabing, die im Juli 2008 ihre Pforten öffnete. Ohne die Vorarbeit, verehrte Frau Heiserer, wäre dieses erste bayerische Kompetenzzentrum sicher nicht so schnell realisiert worden. Sie waren es, die im Namen der Selbsthilfegruppe dafür eine Petition beim Bayerischen Landtag einreichte. Einer der Kooperationspartner des Zentrums ist der Bezirk Oberbayern, der in der Unterstützung und Förderung von Menschen mit Autismus eine Vorreiterrolle spielt.

Mit Ihrem vielseitigen und vehementen Engagement ist es Ihnen, verehrte Frau Heiser, gelungen, Menschen eine Stimme zu verleihen, deren Anliegen und Bedürfnisse sonst nicht gehört werden. Und das ist etwas ganz Großartiges!